Nachtwandel
Die Frage ist doch mehr, was ich in meinem Leben getan habe. Versteht mich nicht falsch, es hätte um einiges besser verlaufen können. Auf der anderen Seite sehne ich noch immer sentimental nach diesem einen Moment. Wohlgleich verblasst das alles, gegen diesen sturen Unsinn, dieses frivole Dasein.
Betrunken schreibe ich SMS an Frauen, verschließe mich zugleich, bin offen in den falschen Situationen und gebe kaum noch Geborgenheit. Ein Mensch ohne Sinn nach Soziabilität, ein Mensch der sein Leben aus den Angeln hebt, um sich ein Stück von dem großen Kuchen zu greifen.
Verloren habe ich. Stetig an Selbstachtung, Sozialkompetenz und Lebensfreude. Der dicke, geschirmte und verherrlichende Panzer aus Arroganz, Hass und Wut umgibt mich immer mehr. Es mag sein, das ich manchmal zu Unrecht agiere, oder voreilige Schlüsse ziehe. Doch wenn das keinen Menschen mehr kümmert, weshalb dann Sorgen machen? Ein Fugnis, eine kleine Wahl, ein Vegetieren. Hinab ins Dunkel, ward nicht mehr gesehen.
Wir sind dazu bestimmt, uns am Leid zu erfreuen.
Wir sind melancholisch, wir leben.
In all den Jahren, die ich nun existiere, habe ich diverse Facetten des modernen oder post-modernen Treibens beobachten können.
Ich besinne mich darauf, gepflegt, mit allen Lastern zu leben, mich auch mal einfach nur mit der besten Freundin zu besaufen und dabei eben die Welt zu vergessen, oder mich zu isolieren und meinen widerwärtigen Gedanken nachzugehen. Egal was davon, ich erlebe, ich imputiere, sauge meine Gedanken und Taten auf wie ein Schwamm.
Wenn, zu dieser Zeit zumindest, mir auch noch der große Grund hinter allem verschlossen bleibt, so habe ich stets den Weg gewählt, der mich vielleicht in den Abgrund, aber auch in mein persönliches Glück führte.
Wenn mir noch einmal im Leben ein Mensch meint sagen zu müssen, das es mir nicht gut geht, das ich traurig aussehe, das ich „irgendetwas habe“, dann werde ich euch mit der Dunkelheit konfrontieren und zeigen, was ich habe.
Gesindel. Denkt einmal, bevor ich sprecht und ich höre euch wieder zu. Ein mal!
„Fressen, fressen & fressen & einkaufen,
das tun die Menschen in unserem Land, damit sie bloß nicht auf
die Idee kommen, ein mal nachzudenken!“
- Gudrun Ensslin
Vielleicht finde ich, eines Tages, den Menschen, der es schafft Vorurteile, Hüllen, Masken & mein Herz zu sprengen, der mir zeigt, das alles anders laufen kann. Ich glaube nicht mehr daran.