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Erinnerungen

8. Februar 2013 , Geschrieben von Rythiel Veröffentlicht in #Hass, #Trauer, #Melancholie, #Biographie

 

Instant-Nudeln, Tütensuppe. So einfach, so leicht und eingetrocknet die grau-gelben Flecke vom Nikotin an der Wand. Überall. So und nicht anders wird das Leben fortlaufen, es wird auch so einfach enden. Zerdrückt wie die letzte Schachtel Zigaretten, achtlos hinfort geworfen wie kläglicher Müll, ohne jegliche Bedeutung oder Sinn. Auch so ziehen die Stunden ins Land, die Erinnerungen klammern sich förmlich, die Bilder blitzen in einem auf, die warmen, seichten Errungenschaften der Vergangenheit lächeln einem ins Gesicht, verspotten dich, weil du von all der Zuneigung und der Euphorie nur noch den Schatten kennst.

 

Du denkst zurück an eine Zeit, in der dir Träume, Fantasien oder Menschen wichtig waren. Denkst an die Zeit, in der du dich, geduckt und voller Demut, hingegeben hast, weinen konntest über Leid und Trauer, eine Zeit, in der man dich nicht für Voll genommen hat, weil es eben nicht an der Zeit war.

Ihr mich auch. Die Bilder der damaligen Tage prasseln, schlagen förmlich auf mich ein. Ich suche mir mein Versteck, begebe mich in die Einsamkeit. Manch einer von euch, versucht noch, den Kontakt zu halten, das Band, das einmal bestand, zu fühlen. Viele von euch haben es bereits zerschnitten, abgeheftet und eingesperrt. Ich kann euch verstehen.

Ich habe früh schon gemerkt, das ich die Aufmerksamkeit errege, wenn ich schweige und traurig bin. Möglicherweise der falsche Weg, aber es hat funktioniert. Heute sitze ich desillusioniert in der Wohnung, trinke mir meinen Wein und erfreue mich an der Stille, oder den lieblichen klängen mediterraner New-Age Musik.

Leider kann ich nicht genau sagen, wann dieser Abstieg begann, jedoch erinnere ich mich an die Sommerferien 1998, zu dieser Zeit war ich in der dritten Klasse, bzw. kam ich zum neuen Schuljahresbeginn in die vierte Klasse. Diese sechs Wochen, diese Ferien, verbrachte ich zu 98% alleine (wenn meine Eltern und mein Bruder nicht mitgezählt werden), und ich bin sehr froh darüber.

 

Tage, in denen ich meine unerwiderte Liebe am Fenster gesehen habe, mich der Musik hingab, gefressen habe, nichts wahrgenommen habe außer mich selbst. Ich schätze seit dieser Zeit ist mein Egoismus geboren.

Dieser eine Tag, ich erinnere mich sehr gut daran, unsterblich war ich vernarrt in diese Frau, Pardon, zu dieser Zeit noch „dieses Mädchen“, saß ich auf einem alten, sehr weichen Ledersessel vor dem Fenster meines Zimmers. Die Pressspanplatte, auf dubioses Marmor lackiert, war mein Tisch, ein Fensterbrett. Das Fenster, damals noch ohne Fliegengitter, dafür mit Metallstreben (ich hätte ja als Kind herausfallen können, es war der dritte Stock), lies mir den ungetrübten Blick auf einige Wiesen, einen nahe gesetzten Wald. In diesem Wald habe ich früher oft mit meinem Bruder und Freunden gespielt.

In diesem Sommer ging ich nicht aus meinem Zimmer, ich ich war 3 Jahre älter, als im ersten Sommer der Isolation. Die siebte Klasse stand bevor, ich war 12, wenn ich mich recht erinnere. Sie ging mir nicht aus dem Kopf. Es waren an diesem Tag 26°C, es war warm, aber auch windig, in meinem Zimmer ging ein guter Wind. In der ferne sah ich nur die, sich im Wind wiegenden Bäume, in meinem Zimmer lauschte ich dem bekannten Song: „Nothing Else Matters“ von Metallica.

Noch war mir unbekannt, wohin mich die Gedanken dieser wenigen Minuten in meinem Leben noch führen. Wenn ich mich zurückerinnere, waren das die ersten Minuten, in denen ich meine Wehmut spürte und lieben lernte. Ich wusste, das sich dieses Mädchen niemals in dieser Art für mich interessieren würde, das hatten wir zuvor schon geklärt. Ich wusste auch, das ich mir diesen Schmerz gerne zufüge.

Zu dieser Zeit habe ich gerade erst angefangen, Metal zu hören, bzw. habe eigentlich, wie man so schön sagt, „alles gehört“, was mir eben gefiel.

 

Natürlich wurde nichts daraus. Natürlich gab mir das Signale. Und so entglitt mir eine Frau, die ich noch heute, würde sie vor mir stehen und fragen, ob ich sie will, nehmen würde. Und zwar ohne wenn & aber.

Allerdings weiß ich, das sie mich aufgrund meiner Entwicklung niemals wollen würde, und das sie mit einem Kumpel, mit dem ich ab und an mal einen getrunken habe, zusammen ist.

Schicksal.

 

Break// Ich höre den LotR Soundtrack, stinke, meine Küche ist verwüstet, mein Sofa zerschnitten, die Spraydose warm, auch wenn ich nicht weiß, was ich schreiben möchte. Der Alkohol ist vorhanden, der Harndrang genauso. Einem der liebsten Menschen der Welt scheine ich vor den Kopf gestoßen zu haben, und ich muss noch sieben Tage arbeiten, bis ich Urlaub habe. Kurz darauf habe ich Geburtstag.

 

Im Endeffekt, geht es mir doch wie immer. Ich habe meine Gedanken rasiert, habe meine Vernunft optimiert und habe meinen Verstand betäubt. Ich werde gesehen, als Mensch der im Leben steht, vielleicht nicht selbstbewusst, aber fähig. Was nur sehr, sehr wenige Menschen sehen ist meine Verzweiflung, meine Angst.

Ich gebe es zu, mein momentanes Leben besteht aus resignieren und schweigen. Ich gehe keinen was an, mich geht keiner was an. Eine Botschaft, die ich verinnerlicht habe. In meinem kurzen Leben habe ich nach Liebe, Erfolg und nach Frieden gestrebt. Alle drei Dinge, haben mich bisher enttäuscht oder ich konnte sie nicht zu Ende bringen. Ich kann nicht mehr weinen, nicht wirklich. Ich fühle mich nicht schlecht, wenn ich über das Elend in der Welt lese, ich fühle auch keine wirkliche Liebe mehr. Kleine Freuden im Leben, die ich noch habe sind rar. Ich schätze die einzige Konstante ist das Rauchen.

Ich bin ein relativ sozialer Mensch, ich bin umgänglich, wenn ich mich wohl fühle, und ich weiß eine Freundschaft und Familie zu schätzen. Ich gebe aber auch zu, das ich diese Wohltaten viel zu oft nicht richtig deuten oder schätzen kann, das ich so verschoben bin, in allem eben erst einmal das schlechte zu sehen. Pessimistisch, bis zuletzt.

Wohl wissend, das ich sehr bald zu Grunde gehe, wenn sich nicht schlagartig etwas ändert in meinem Leben, sehe ich der Zukunft mit einem lächeln entgegen.

 

Wenn es einer verdient hat, dann ich. So viel Zorn und Wut, gehört in diese Welt nicht mehr. Denn, so habe ich in meinem Beruf gelernt, ist die Brecheisen-Taktik veraltet. Gebt ihnen Honig und Bauchgepinsel, und sie tanzen dir auf dem Kopf herum... sind dir treu.  

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H
Du hast besseres verdient. Ein wirklich schöner Text.
Antworten
J
Das ist ein sehr langer und schön geschriebener Text!<br /> Aber ich kann nur wiederholen, was meine Gedanken nach wie vor denken, wenn sie solche Texte von dir lesen: Eigentlich bist du zu schade. Zu schade, um dich zu Grunde zu richten... &gt;__
Antworten
J
Ich hab schon geschlafen... ^^<br /> <br /> Und ich finde es dennoch schade...um dich... .____________.
R
Ich bin eher verwundert, das du noch wach bist ^^<br /> <br /> Danke für die Komplimente, ich werde demnächst noch ausführlichere Texte veröffentlichen (Urlaub unso), vielleicht erfreust du dich daran auch<br /> Und zu schade bin ich nicht, im Gegenteil. Ich habe diesen Weg gewählt, werde auch immer jeglichen Menschen, die mich mögen, damit weh tun. Es tut mir leid.